Unter anderem versorgen sich dort ukrainische Flüchtlinge. Aber auch andere Menschen suchen die Tafeln verstärkt auf, weil sie sich die immer höheren Preise in den Supermärkten nicht mehr leisten können. Gleichzeitig kriegen die Tafeln aber gerade weniger Lebensmittel- und Geldspenden.
Aus Sicht des WWF könnten die gestiegenen Preise dazu führen, dass Verbraucher darauf achten, nicht mehr so viel Essen zu verschwenden. Nichtsdestrotz löse das das Problem nicht. Lebensmittel würden auch schon früher in der Lieferkette weggeschmissen werden, etwa wenn ein Landwirt sein Gemüse zu keinem angemessenen Preis verkauft kriege.
Aber es gibt Möglichkeiten, die Verschwendung der Lebensmittel zu stoppen oder zumindest zu begrenzen. Die Düsseldorfer Initiative "Enjoy the food" ist dabei nur ein Beispiel von vielen. Unter anderem in Köln gibt es darüber hinaus mehrere Läden, die Obst und Gemüse verkaufen, das zum Beispiel nicht mehr der Norm entspricht. Die Initiative startete vor einigen Jahre, als sie begann aussortierte oder liegen gebliebene Produkte von einem Biohof in Kaarst zu verwerten.
Experten raten Verbrauchern außerdem, ihren Einkauf so zu planen, dass sie nichts oder weniger wegschmeißen müssen. Und wer auch krummes Gemüse kauft, signalisiert dem Handel, dass er damit auch Geld verdienen kann. Mehr Tipps zu dem Thema bietet zum Beispiel die Verbraucherzentrale.
Im Fall von Hochwasser, Quarantäne, Stromausfall und Co. ist es sinnvoll, einen Notvorrat im Haus zu haben. Die Bundesregierung empfiehlt folgende Lebensmittel für 10 Tage.
Die Bilder, die uns derzeit aus der Ukraine erreichen, verunsichern viele Menschen und werfen die Frage auf, ob man privat für einen Ernstfall gerüstet wäre. In Deutschland sind es dabei eher Krisenfälle wie Hochwasser, Stürme oder Stromausfälle, die uns vor Herausforderungen stellen. Ganz unabhängig vom aktuellen Zeitgeschehen ist es daher für jeden Bürger sinnvoll, zu Hause einen Nahrungsmittelvorrat und Trinkwasser für zehn Tage zu lagern, rät auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) im Interview mit dem Handelsblatt (hinter Bezahlschranke). In Krisensituationen können Sie so zu Hause bleiben und Einsatzkräfte und Supermärkte entlasten. Das ist neben dem Notfallrucksack, der Ihnen ermöglicht, bei Hochwasser oder einem Brand schnell das Haus zu verlassen, eine wichtige Säule im Katastrophenschutz.
Aber was sollten Sie zu Hause in Ihrer Speisekammer wirklich lagern? Welche Lebensmittel sind besonders lange haltbar? Mit einer Checkliste und den richtigen Tipps sind Sie gut gerüstet.
Notfallvorrat anlegen: Geschmäcker und Sonderfälle beachten
Eine allgemeine Checkliste für den Notfallvorrat kann Ihnen nur als Anhaltspunkt dienen. Bedenken Sie beim Anlegen eines Notfallvorrats immer auch die persönlichen Vorlieben Ihrer Familie oder eventuelle Besonderheiten in der Ernährung wie Allergien, Unverträglichkeiten und Ähnliches. Wenn Sie ein Baby und Kleinkinder in der Familie haben, brauchen Sie eventuell zusätzlich Babynahrung oder Breigläschen. Auch die Versorgung Ihrer Haustiere inklusive zusätzlichem Wasserbedarf müssen Sie unbedingt mitdenken.
Notfallvorrat richtig anlegen: So sollten Sie die Lebensmittel auswählen
Im Notvorrat sind solche Lebensmittel enthalten, die ausreichend Kalorien und Nährstoffe mitbringen, um Sie auch im Notfall bei bester Gesundheit zu halten. Im Idealfall wählen Sie Lebensmittel aus, die nicht zu speziell sind und die Sie kennen, sodass Sie einfach abwechslungsreiche Gerichte daraus zubereiten können. Auf gekühlte oder gar tiefgekühlte Produkte sollten Sie lieber verzichten, da die Stromversorgung in einer Ausnahmesituation wahrscheinlich unterbrochen ist und damit auch die Kühlung nicht mehr funktioniert. Wenn Sie dennoch auf gekühlte Produkte zurückgreifen wollen, dann verbrauchen Sie diese als erstes.
Wenn Sie einkaufen gehen, sollten Sie also die richtige Auswahl treffen. Doch was packt man tatsächlich in den Einkaufwagen? Bei dieser Frage empfiehlt es sich, die allgemeinen Richtlinien des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu befolgen.
Notfallvorrat anlegen ohne Hamstern: So viele Lebensmittel und Trinkwasser brauchen Sie wirklich
Wenn Sie Vorräte anlegen, sollten Sie nicht sinnlos und zu große Mengen einkaufen. Das berüchtigte Hamstern hat schon zu Beginn der Coronapandemie für unnötige Engpässe gesorgt und die Versorgung aller erschwert. Halten Sie sich beim Einkaufen also grob an die folgende Liste.
Notfallvorrat: Checkliste für Ihren Vorratsschrank
☐
Getränke
20 Liter
2 Liter Flüssigkeit pro Person/Tag zum Trinken und Kochen. Mineralwasser, Fruchtsäfte, lange lagerfähige Getränke
☐
Getreide, Getreideprodukte
3,5 kg
Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis
☐
Gemüse, Hülsenfrüchte
4 kg
Dosenware ist vorgekocht, getrocknete Ware muss mit zusätzlichem Wasser eingeweicht und gekocht werden. Lagerfähiges Gemüse wählen: Karotten, Knoblauch, Zwiebeln, Sellerie, Kürbis, Steckrüben
☐
Obst, Nüsse
2,5 kg
Obst in Dosen oder Gläsern, nur lagerfähiges Frischobst (Äpfel, Orangen, Zwetschgen etc.)
☐
Milch, Milchprodukte
2,6 kg
H-Milch oder Milchpulver
☐
Fisch, Fleisch, Eier, bzw. Volleipulver
1,5 kg
Volleipulver ist mehrere Jahre haltbar, frische Eier sind nur begrenzt lagerfähig, also regelmäßig verbrauchen
☐
Fette, Öle
0,357 kg
☐
Sonstiges
nach Bedarf
Zucker, Süßstoff, Honig, Marmelade, Schokolade, Jodsalz und andere Standardgewürze. Fertiggerichte wie Dosenravioli, Fertigsuppen, Kartoffeltrockenprodukte wie Kartoffelbrei. Mehl, Instantbrühe, Kakaopulver, Hartkekse, Salzstangen
Eine vierköpfige Familie benötigt für zehn Tage also:
80 Liter Wasser, 14 kg Kartoffeln, Nudeln und Co., 16 kg Gemüse und Hülsenfrüchte in Dosen, 10 kg Dosenobst, etwas über 10 Liter H-Milch, 6 Kilo Fleisch, Ei in Form von Volleipulver (werblicher Link) und Co., 1,5 Liter Öl und sonstiges. Natürlich variieren die Mengen, wenn kleine Kinder Teil der Familie sind, die weniger essen und trinken, aber dann bleibt einfach mehr für die Erwachsenen.
Notfallvorrat richtig lagern und verwenden: Das müssen Sie beachten
Beachten Sie beim Kauf Ihres Notvorrates unbedingt das Mindesthaltbarkeitsdatum und verbrauchen Sie die Produkte entsprechend. Sortieren Sie sie am besten direkt im Regal nach Verbrauchsdatum und sortieren Sie neu gekaufte Produkte nach hinten. Lagern Sie die Lebensmittel dunkel, trocken und kühl. Verpacken Sie so viel wie möglich luftdicht.
Damit Sie aus Ihrem Notvorrat auch im Falle eines längeren Stromausfalls Gerichte kochen können, sollten Sie außerdem einen Gaskocher (werblicher Link) und die passenden Gasflaschen lagern. So vorbereitet können Sie es längere Zeit gut versorgt zu Hause aushalten.
Zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. Mit einer Aktion macht das ZEHN in Oldenburg darauf aufmerksam - pünktlich zum heutigen Tag der Lebensmittelverschwendung.
Das Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen (ZEHN) hatte vor Wochen aufgerufen, Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten waren, zu verzehren. Mit Bildern sollten die Teilnehmenden ihre Kreationen festhalten und einschicken. Sie wurden heute auf der Website des Zentrums veröffentlicht. Darunter sind allein neun Produkte mit Mindesthaltbarkeitsdaten aus den 1990er-Jahren - vom Rum-Backaroma über Muskatnüsse bis zum Bohneneintopf. Das älteste Lebensmittel, eine Tüte Linsen, war den Angaben zufolge bereits im März 1989 abgelaufen - und sollte nach Teilnehmerangaben für die Zubereitung einer Suppe genutzt werden.
VIDEO: Haltbarkeit von Lebensmitteln unter der Lupe (6 Min)
Alte Lebensmittel sollten "wohlschmeckend verwertet" werden
Bis zum 28. April konnten Fotos genießbarer Lebensmittel mit überschrittenem Haltbarkeitsdatum eingeschickt werden. Das Datum sollte dabei lesbar sein. Außerdem gehörte zur Einsendung eine kurze Erläuterung oder ein Bild, wie das Produkt "wohlschmeckend verwertet" wurde.
Gucken, riechen und vorsichtig probieren
Andrea Klahsen hat das Experiment gewagt. Ihre Pudding-Mischung ist "schon ein paar Jahre" überfällig. Und die Milch? "Die hat auch schon ein paar Tage hinter sich", erzählt sie. Für die junge Frau ist das aber kein Problem. Sie bereitet den Nachtisch zu - und er lässt sich scheinbar durchaus noch essen. "Auch ein Lebensmittel, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, schmeckt meist noch", teilt das ZEHN mit. Das Zentrum in Oldenburg rät immer auch auf die eigenen Sinne zu vertrauen - und die auch zu nutzen. Also: Wie sieht das Lebensmittel aus? Wie riecht es? Wie schmeckt es? "Mit unserer Challenge möchten wir vor allem junge Menschen ermutigen, auch abgelaufene Produkte zu öffnen und mit den eigenen Sinnen vorsichtig zu überprüfen, ob das Lebensmittel noch gut ist", so ZEHN-Leiterin Annika Gaurig.
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Jeden Tag landen tonnenweise Lebensmittel im Müll. Wer richtig plant und lagert, kann das vermeiden und spart Geld. mehr
Viele Lebensmittel landen ungeöffnet im Müll
Gerade in den aktuellen Krisenzeiten solle man sich den Wert von Lebensmitteln bewusst machen. Denn nach Angaben des Bundesagrarministeriums entsorgen fast die Hälfte der Deutschen abgelaufene Produkte ungeöffnet. Statistisch gesehen landen demnach alle Lebensmittel, die im Jahr bis zum 2. Mai produziert werden, im Müll. Auch in privaten Haushalten entstehe ein großer Teil der Lebensmittelabfälle, so Gaurig. Etwa 85 Kilogramm Lebensmittel und Getränke pro Person und Jahr würden so entsorgt.
Der Tag der Lebensmittelverschwendung am 2. Mai wurde erstmals 2016 symbolisch von der Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) ausgerufen.
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InfografikStanddatum: 2. Mai 2022.Autorinnen und Autoren: Angela Weiß
Bild: DPA | photothek | Thomas Trutschel
Jeder norddeutsche Haushalt wirft jährlich im Schnitt 109 Kilogramm Lebensmittel weg, am häufigsten Obst und Gemüse. Eine Analyse zum Tag der Lebensmittelverschwendung.
Viele Menschen erledigen den nur einmal pro Woche: Den Wocheneinkauf. Und es kommt alles in den Wagen, was in den nächsten sieben Tagen gekocht, gesnackt oder getrunken werden soll. Insbesondere bei der Haltbarkeit frischer Lebensmittel, wie Obst oder Gemüse, kann man hier schnell der Überblick verlieren.
Wie viele Lebensmittel in Bremen und Bremerhaven dann tatsächlich im Müll landen, kann mit konkreten Zahlen nicht belegt werden. Dennoch sei das Thema immer hoch relevant, so die Bremer Verbraucherzentrale. "Häufig stellen wir fest, dass es Unsicherheiten gibt: Wo lagere ich was am besten, wie kann ich erkennen, ob ein Produkt in Ordnung ist, gilt das Mindesthaltbarkeitsdatum auch, wenn die Milch offen ist, was ist mit eingefrorenen Produkten?", sagt Sonja Pannenbecker, Lebensmittel-Expertin bei der Verbraucherzentrale.
Eine vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Auftrag gegebene Studie zeigt: 86 Prozent aller Haushalte werfen Lebensmittel weg, die noch verwertbar gewesen wären. Dabei führend sind Obst und frisches Gemüse.
Nicht nur bei steigenden Lebensmittelpreisen wichtig
Die Umweltorganisation WWF rief erstmalig am 2. Mai 2016 den Tag der Lebensmittelverschwendung ins Leben. Um das Problem auch auf Bundesebene anzugehen, läuft bereits seit mehr als zwei Jahren die "Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung". Das Ziel: Bis 2030 sollen sich die Lebensmittelabfälle in Deutschland halbieren. Nicht nur in Zeiten von hohen Lebensmittelpreisen sei dieses Vorhaben sehr wichtig, so Pannenbecker.
Warum Menschen Lebensmittel wegwerfen, ist unterschiedlich. In den meisten Fällen wird aber offenbar verpasst oder vergessen, sie rechtzeitig zu verzehren.
Sonja Pannenbecker kennt viele Tipps, wie Menschen ihren Einkauf oder Lebensmittelverbrauch besser strukturieren können. So helfe es manchen beispielsweise, eine Art Tagebuch zu führen. Darin sollte festgehalten werden, was, wann und warum entsorgt wird. "So kann jeder Haushalt das Einkaufsverhalten überprüfen, die Lagerung verbessern und gegebenenfalls auch mal die Kochmengen anpassen", sagt die Beraterin.
Außerdem rät sie dazu, vor dem Einkauf zunächst die Vorräte zu prüfen und erst danach eine Einkaufsliste zu schreiben. Mit Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum gelte: Mit allen Sinnen prüfen, ob ein Produkt noch genießbar ist, denn längst nicht alle Lebensmittel die weggeworfen werden, hätten im Müll landen müssen. Unvermeidbare Abfälle, wie Kaffeesatz, Knochen, Gräten oder Obstschalen, machen bundesweit 58 Prozent der Abfälle aus. Doch 42 Prozent wären demnach theoretisch vermeidbar gewesen.
Zahlreiche Wege Lebensmittel zu retten
Damit künftig weniger Lebensmittel weggeworfen werden und sich die Zahl vermeidbarer Abfälle verringert, gibt es diverse Angebote, die Menschen im Land Bremen nutzen können. Neben einer Beratung bei der Verbraucherzentrale ist beispielsweise die bundesweite Organisation "foodsharing" an mehreren Stellen im Land Bremen aktiv. Das Prinzip des Verteil-Systems: Überflüssig produzierte oder in zu großen Mengen eingekaufte Lebensmittel können abgegeben oder kostenlos abgeholt werden.
Ein weiteres Beispiel ist die internationale App "Too Good To Go". Supermärkte, Restaurants oder Hotels können hier täglich angeben, ob sie kurz vor Feierabend noch Lebensmittel zu einem vergünstigten Preis abzugeben haben. Über die App können Menschen einsehen, in welchem Stadtteil gerade Lebensmittel abgeholt werden können. Auch die Bremer und Bremerhavener Tafeln sind über Lebensmittelspenden dankbar. Erst vor wenigen Tagen gaben sie bekannt, dass ihre Lage aufgrund der anhaltenden Inflation sowie der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs angespannt sei.
Bild: Radio Bremen
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Mittag, 2. Mai 2022, 12:18 Uhr
Der Ukraine-Krieg treibt die Lebensmittelpreise hoch: Es ist an der Zeit, der Teuerung mit einem Bündel überfälliger Maßnahmen zu begegnen. Ein Kommentar.
Heike JahbergFällt bald die Mehrwertsteuer auf Obst und Genüse? Supermarkt im oberbayrischen Neubiberg.Foto: dpa
Rund fünf Euro am Tag kann ein Mensch, der von Hartz 4 oder Grundsicherung lebt, für Nahrungsmittel ausgeben. Man kann von dem Geld einen Beutel Möhren und ein 2,5-Kilo-Säckchen Kartoffeln kaufen. Auch ein Joghurt ist noch drin, nicht aber die kleine Schale Heidelbeeren. Die kostet 2,50 Euro und sprengt den Etat.
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Es geht um Existenzielles. Zwei Dinge brauchen Menschen wirklich: ein Dach über dem Kopf und genug zu essen und zu trinken. Beides ist nicht mehr selbstverständlich. In Berlin eine bezahlbare Wohnung zu finden, war schon immer schwierig, nun kommen angesichts der hohen Preise für Gas und Öl die Sorgen hinzu, wie man sie warmhält. Und auch Lebensmittel werden immer teurer.
Verglichen mit dem Vorjahr sind die Preise in den Supermärkten im April um 8,5 Prozent gestiegen und damit noch stärker als die allgemeine Inflationsrate. Besser wird es nicht. Denn die Gründe für die Preissprünge bleiben. Wegen des Kriegs fällt die einstige Kornkammer Ukraine als Lieferantin von Weizen, Roggen, Raps- und Sonnenblumenöl weitgehend aus. Weizen kostet an den internationalen Märkten inzwischen mehr als das Doppelte verglichen mit dem vergangenen Juli.
Auch Logistikprobleme treiben die Preise
Zu Recht warnen Entwicklungshilfeorganisationen und das Welternährungsprogramm vor Hungersnöten in Nordafrika, im Libanon oder im Jemen. Den Staaten fehlt das Geld, die teuren Rohstoffe zu bezahlen. Putin setzt den Hunger als Waffe ein. Aber nicht nur der Krieg treibt die Preise.
Logistikprobleme, die seit der Corona-Pandemie den Welthandel belasten, führen dazu, dass selbst Getreide, das vorhanden wäre, nicht dort ankommt, wo es gebraucht wird. Hinzu kommen Missernten durch Dürren, Überschwemmungen oder Heuschreckenplagen.
Was kann man tun? Die Lösung scheint simpel zu sein: Man baut einfach mehr an. Wenn auch die letzte Ackerkrume eingesät ist, müsste doch genug für alle da sein. Deutschlands Agrarminister Cem Özdemir sieht das anders, hat sich aber zu einem Kompromiss durchgerungen. Auf den ökologischen Vorrangflächen, die eigentlich in Ruhe gelassen werden müssen, darf nun zumindest Tierfutter geerntet werden.
Ein Landwirt erntet Bio-Möhren auf einem Feld in Niedersachsen.Foto: dpa/picture alliance/Julian Strate
Ist die deutsche Knausrigkeit unsolidarisch angesichts des drohenden Hungers in der Welt? Nein. Man kann nicht eine Krise gegen die andere ausspielen, die Ernährungskrise nicht gegen die Klimakrise. Zu Recht hat Deutschland die Agrarwende eingeleitet: mehr Bio, weniger Pestizide, weniger Dünger. Schluss mit den riesigen Ställen, in denen zehntausende Schweine oder Hühner stehen und deren Hinterlassenschaften – anders als im Biolandbau – nicht als Dünger genutzt werden, um die Futterpflanzen zu ernähren.
Künftig muss Qualität vor Quantität gehen
Lange hat es gedauert, aber jetzt ziehen viele Bauern, Umweltverbände und Verbraucherschützer an einem Strang. Die Landwirte müssen sich darauf verlassen können, dass künftig Qualität vor Quantität geht. Dass sie für eine bessere Tierhaltung mehr Geld bekommen. Dass weniger mehr ist.
Der Krieg ändert daran nichts. Aber man sollte die Versorgungskrise nutzen, um über neue Techniken in der Pflanzenzucht nachzudenken. Wenn man die Erträge steigern könnte, ohne den Boden weiter zu belasten, könnte das auch über den Krieg hinaus im Kampf gegen die Klimaherausforderungen helfen.
Kurzfristig hilft das den Menschen, die jetzt am Monatsende nicht mehr wissen, wie sie ihr Essen bezahlen sollen, aber nicht. Eine Lebensmittelpauschale für Transferempfänger wäre eine schnelle, sinnvolle Entlastung. Eine Reform der Mehrwertsteuer wäre ein weiterer Schritt. Verbraucherschützer und Sozialverbände fordern, die Steuer für Obst, Hülsenfrüchte und Gemüse abzuschaffen.
Wenn dadurch mehr Karotten und weniger Koteletts im Einkaufswagen landen, wäre das ein Gewinn: für jeden einzelnen, der sich auch mit schmalem Geldbeutel gesund ernähren könnte, und für die Welt. 60 Prozent des deutschen Getreides landen derzeit im Futtertrog, weitere neun Prozent als Biosprit im Tank. Wer die Welt ernähren will, hat hier ein weites Feld vor sich, das er beackern kann.
Berlin.Lebensmittel werden immer teurer. Dementsprechend steigt die Nachfrage bei den Tafeln. Doch gleichzeitig sinken auch noch die Spenden.
Die Tafeln in Deutschland sehen sich wegen steigender Nachfrage nach Lebensmitteln und einem rückläufigen Spendenaufkommen in einer Notlage. „Die Situation bei den Tafeln ist so angespannt wie noch nie. Deutlich mehr Menschen kommen, gleichzeitig sinken die Lebensmittelspenden“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Tafel Deutschland, Jochen Brühl, unserer Redaktion.
Die freiwilligen Helferinnen und Helfer seien „teilweise pausenlos im Einsatz und erleben es als belastend, wenn sie Menschen nicht helfen können, weil keine Lebensmittel mehr da sind zum Weitergeben“.
Armut wächst: Tafeln allein können „diesen Druck nicht aushalten“
Der Verbandsvorsitzende forderte die Politik auf, bei der Armutsbekämpfung Abhilfe zu schaffen. Die Tafeln allein könnten „diesen Druck nicht aushalten“. Auch interessant:Entlastungspaket: Die Ampel vergisst dabei die Rentner
Brühl appellierte an Bundesregierung und Kommunen: „Tafeln sind nicht Teil des sozialstaatlichen Systems. Wir helfen ehrenamtlich und nach Kräften, aber es war nie die Idee der Tafeln, alle armutsbetroffenen Menschen verlässlich und verbindlich zu versorgen“.
Als Maßnahme der Bundesregierung forderte er, bei den Entlastungspaketen nachzubessern: „reichen nicht aus und kommen zu spät“.
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