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Saturday, April 9, 2022

Achtung: Diese Lebensmittel enthalten versteckten Alkohol - ÖKO-TEST

Bei manchen Produkten verrät uns schon der Name, dass wir hier mit kleinen Mengen Alkohol rechnen müssen: So zum Beispiel bei Rum-Trauben-Schokolade oder Eierlikörkuchen. Auch bei einer Schwarzwälder Kirschtorte wissen die meisten Menschen, dass die Torte traditionell mit Kirschwasser zubereitet wird. Aber wer erwartet in Milchbrötchen, Fertigsuppen oder industriell hergestelltem Kuchen Alkohol? In den meisten Fällen ist der Alkohol nicht mal zu schmecken – so kann auch die Nase nicht beim Warnen helfen.

Für wen ist Alkohol in Lebensmitteln problematisch?

Zwar ist Alkohol in kleinen Mengen für den Großteil der Bevölkerung allermeist unproblematisch. Für viele Menschen ist es aber wichtig, zu wissen, ob Alkohol enthalten ist – und sei die Menge auch nur klein: So sollten Kinder, Schwangere und stillende Frauen keinen Alkohol konsumieren. Menschen muslimischen Glaubens trinken aus religiösen Gründen keinen Alkohol. Und ehemals Alkohlabhängige sollten ebenfalls strikt auf Alkohol verzichten, um keinen Rückfall in die Sucht zu erleiden.

Als "risikoarm" gilt übrigens laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bei Frauen ein Konsum von maximal 10 bis 12 Gramm Alkohol pro Tag (ein kleines Glas Wein oder ein Glas Bier) und bei Männern ein Konsum von nicht mehr als 20 bis 24 Gramm Alkohol täglich (ein halber Liter Bier, 0,25 Liter Wein).

Was viele gerne ausblenden: Alkohol kann nicht nur zu einer Abhängigkeit führen, er ist auch gesundheitsschädlich. So erhöht Alkohol laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Risiko für Krebs, Schlaganfälle, Herzerkrankungen und übertragbare Krankheiten und schwächt das Immunsystem. "Darüber hinaus erhöht ein hoher Alkoholkonsum das Risiko für das akute Atemnotsyndrom (ARDS), eine der schwersten Komplikationen von Covid-19", warnt die WHO. Zudem wird Alkoholkonsum mit Verletzungen, Gewalt und einer Reihe psychischer Störungen, anderem Depressionen und Angstzuständen, in Verbindung gebracht.

In diesen Lebensmitteln versteckt sich häufig Alkohol

Eine genaue Liste mit allen Lebensmitteln zu erstellen, die versteckten Alkohol enthalten, ist laut Blauem Kreuz nicht möglich, da sich Rezepturen immer wieder ändern und Alkohol nicht immer deklariert werden muss. Und auch wenn der Alkohol in der Zutatenliste aufgeführt wird, ist unklar, um welche Menge es sich tatsächlich handelt.

Bei diesen Produkten sollten Sie generell vorsichtig sein (Quellen: Verbraucherzentrale / Blaues Kreuz):

  • Schokobrötchen
  • Milchbrötchen
  • Zimtschnecken zum Aufbacken
  • Süßigkeiten wie Marzipan, Schokoriegel
  • Malzbier und Malzgetränke für Kinder (dürfen bis zu 0,5 Prozent Alkohol enthalten)
  • Kefir
  • Kombucha
  • Weingummi
  • Cremeschnitten
  • Fertigsuppen (z.B. Zwiebelsuppe, Gulaschsuppe, Ochsenschwanzsuppe)
  • Saucen (z.B. Cocktailsauce)
  • Bratensoßen
  • Weinsauerkraut
  • Käsefondue
  • Konfitüren
  • Christstollen
  • Baumkuchenspitzen
  • Fertigkuchen
  • Eis
  • Desserts (z.B. Tiramisu)
  • Fertiggerichte (z.B. Hühnerfrikassee)

Alkohol in Lebensmitteln – das sollten Sie wissen

  • "Alkoholfrei" bedeutet nicht zwingend, dass überhaupt kein Alkohol enthalten ist. Die Kennzeichnungspflicht für Alkohol beginnt bei Getränken erst bei einem Alkoholgehalt über 1,2 Volumenprozent.
  • Weißwein im Risotto, Rotwein in der Bolognese-Sauce, Eierlikör im Kuchen – viele Gerichte werden mit Alkohol zubereitet. Ist dieser Alkohol unproblematisch, weil er "verkocht"? Nein! Denn auch beim Erhitzen (Kochen und Backen) verflüchtigt sich Alkohol nicht vollständig. Zwar verdampft reiner Alkohol theoretisch bei rund 78 Grad Celsius, beim Kochen und Backen verwenden wir aber keinen reinen Alkohol, sondern Wein oder Likör. Zudem gibt es im Essen Stoffe (z.B. Fett), die den Alkohol am Verdampfen hindern. Fakt ist: Der Alkoholgehalt reduziert sich mit der Zeit – aber auch nach langem Köcheln ist noch ein guter Teil des Alkohols enthalten.
Vorsicht beim Kochen mit Alkohol – nur ein geringer Teil "verkocht".

Vorsicht beim Kochen mit Alkohol – nur ein geringer Teil "verkocht". (Foto: Shutterstock / BAZA Production)

Wie erkenne ich Alkohol in Lebensmitteln?

Da Alkohol meistens nicht gut sichtbar deklariert wird, hilft nur eins: Das Kleingedruckte (nämlich die Zutatenliste) aufmerksam lesen und bei einer fehlenden Kennzeichnung im Restaurant oder beim Verkäufer nachfragen.

Auf der Zutatenliste kann sich Alkohol auch hinter folgenden Bezeichnungen verstecken:

  • Ethanol / Äthanol
  • Ethylalkohol / Äthylalkohol
  • Trinkalkohol
  • E 334 = Weinsäure
  • E 1519 = Benzylalkohol oder Phenylmethanol

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) fasst zusammen:

"Ist Alkohol – beispielsweise Weinbrand oder Sherry – Bestandteil der Rezeptur, also eine Zutat, dann muss er im Zutatenverzeichnis mit seiner Bezeichnung angegeben werden. Anders als bei Getränken muss der Alkoholgehalt bei festen Lebensmitteln, etwa Weinbrandbohnen, aber nicht zusätzlich auf dem Etikett stehen. Alkohol, der nur in geringen Mengen als Lösungsmittel für Aromen verwendet wird, taucht nicht im Zutatenverzeichnis auf." 

Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich in vielerlei Hinsicht.

Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich in vielerlei Hinsicht. (Foto: Öko-Test / bw)

Wie gefährlich ist Alkohol in Lebensmitteln für Schwangere und ehemalige Alkoholiker?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn es gibt keine definierte Grenze, bis zu welcher Menge Alkohol unschädlich ist, zum Beispiel für das ungeborene Kind. Aber sowohl Schwangeren als auch ehemaligen Alkoholikern wird zur Vorsicht angeraten:

"Zum Schutz des ungeborenen Kindes sollen Schwangere keinen Alkohol zu sich nehmen, auch nicht in kleinen Mengen. Aus wissenschaftlicher Sicht kann kein Grenzwert beschrieben werden, unterhalb dem Alkoholkonsum unbedenklich wäre", so Dr. Klaus Doubek, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Um sicher zu gehen, sollte man deshalb in der Schwangerschaft ganz auf Alkohol verzichten, das gilt auch bei der Zubereitung von Speisen bzw. beim Konsum von Nahrungsmitteln, die nach Alkohol riechen oder schmecken. Wurde eine Kleinstmenge an Alkohol in der Schwangerschaft konsumiert – etwa bei einer aufgekochten Soße, die mit einem Schuss Alkohol aromatisiert wurde –, "müssen werdende Mütter aber auch nicht davon ausgehen, ihrem Kind unmittelbar geschadet zu haben", erklärt Doubek.

Für ehemalige Alkoholiker kann schon eine kleine Menge Alkohol quasi als "Trigger" für das nicht kontrollierbare Verlangen nach mehr Alkohol wirken und einen Rückfall auslösen. Das gilt zum Beispiel für sogenanntes alkoholfreies Bier, Malzbier (beide sind häufig alkoholhaltig; weniger als 0,5% Volumen), aber auch für alkoholfreie Biere mit einem Alkoholgehalt von 0,0%. Auch das kann bei alkoholkranken Menschen durch den Geschmack das Suchtgedächtnis triggern, warnt das Blaue Kreuz.

Für Menschen, die alkoholkrank wurden und abstinent leben, ist Alkohol als Träger eines bestimmten Geschmackes das eigentliche Problem, fasst Evelyn Fast von Blaues Kreuz in Deutschland e.V. zusammen. Sie schmecken heraus, wenn Lebensmitteln Alkohol beigefügt wurde, "das wiederum kann das Suchtgedächtnis triggern und somit einen Rückfall in die Alkoholkrankheit provozieren".

Alkohol in Medikamenten

Ethanol wird in Medikamenten als Lösungsmittel von Wirkstoffen oder zur Konservierung verwendet. Die Menge, die ein Patient aufnimmt, ist jedoch äußerst gering – und im Normalfall völlig unproblematisch. Schwangere, Stillende sowie trockene Alkoholiker sollten Medikamente mit Alkohol allerdings vermeiden. "Patienten mit ­einem Alkoholabusus und einem ­erfolgreichen Entzug in der Krankheitsgeschichte dürfen bei völliger Abstinenz keinerlei Alkohol mehr zu sich nehmen", so die Pharmazeutische Zeitung (PZ).

Gut zu wissen:

  • Bei Medikamenten müssen auch geringe Alkoholmengen angegeben werden.
  • Medikamente, die für Kinder zugelassen sind, enthalten lediglich geringe Mengen Alkohol.
  • Im Zweifel gilt immer: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach alkoholfreien Alternativen.

Alkohol in Lebensmitteln: Forderungen an die Industrie

Die unzureichende Kennzeichnung von Alkohol wird von vielen Seiten bemängelt. "Die meisten Produkte sind hinsichtlich ihres Alkoholgehalts nur unzureichend deklariert, darunter auch solche, die Kinder gerne essen", bemängelt die Verbraucherzentrale und fordert Nachbesserungen bei der Kennzeichnungspflicht: "Verbraucherfreundlicher wäre eine Kennzeichnung auf der Schauseite des Produktes — zum Beispiel mit einem Piktogramm". 

Das Blaue Kreuz fordert unter anderem:

  • dass Lebensmittel, die sich an die Zielgruppe von Kindern richten, grundsätzlich keinen Alkohol enthalten sollten.
  • dass bei Getränken der Alkoholgehalt nicht erst ab 1,2 Prozent deklariert werden muss, sondern grundsätzlich.
  • dass die Beimengung von Alkohol in Lebensmitteln für Verbrauchende deutlich (!) sichtbar gemacht wird. Das Aufzählen in der Zutatenliste genügt nicht. Verbrauchende müssen auf der sogenannten Schauseite sofort erkennen können: Hier ist Alkohol drin.
  • dass die Beimengung von Alkohol grundsätzlich auch bei unverpackten Produkten, z. B. alkoholhaltigen Torten und Pralinen, ausgewiesen werden muss. Beim Einkauf in einer Bäckerei sollte der Alkoholgehalt von Produkten beispielsweise ebenso klar erkenntlich im Sichtfeld von Verbrauchenden angezeigt werden.

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Friday, April 8, 2022

Lebensmittel: Salmonellen-Problem bei Ferrero war seit Monaten bekannt - zeit.de

Schlimmer kann es für einen Süßwarenhersteller kaum kommen: Salmonellen, Werkschließung - und all das eine Woche vor Ostern.

Schon seit Monaten wusste Ferrero von einem Problem in einer belgischen Fabrik. Nun aber zog die dortige Behörde die Notbremse. Warum hat der Kinder-Schokoladen-Hersteller nicht früher gehandelt?

Bereits am 15. Dezember ist dem Unternehmen ein Salmonellen-Fall in der Fabrik im belgischen Arlon bekannt geworden, wie aus einer Mitteilung von Ferrero France in Luxemburg hervorgeht. Demnach wurden dort Salmonellen in einem Sieb am Auslass von zwei Rohstofftanks festgestellt. Die daraus gefertigten Produkte seien daraufhin zurückgehalten worden. Der Filter sei ausgetauscht und Kontrollen der unfertigen und fertigen Produkte seien gesteigert worden, so Ferrero.

Produktion gestoppt

Am Freitag erreichten die inzwischen eingeleiteten Ermittlungen der Lebensmittelbehörden schließlich ihren vorläufigen Höhepunkt. Der Süßwaren-Riese muss die Produktion der seit Tagen im Fokus stehenden Fabrik in Belgien vorerst stoppen. Die Aufsichtsbehörde Afsca kündigte an, die Produktionslizenz für die Fabrik infolge von Ermittlungen zu entziehen. Ferrero habe in den Ermittlungen nicht ausreichend Informationen geliefert, so die Mitteilung. Mitten im wichtigen Ostergeschäft muss Ferrero nun alle Produkte aus dem Werk zurückrufen, unabhängig von ihrem Produktionsdatum.

Der Mitteilung von Afsca zufolge sind hiervon alle Kinder Surprise, Kinder Mini Eggs, Kinder Surprise Maxi und Schoko-Bons betroffen, die in Arlon gefertigt wurden. Betroffen von dem Rückruf ist auch das Produkt Kinder Mix Easter Gift Bag, das in einigen deutschen Testmärkten angeboten wurde. Afsca bat auch alle Vertriebsfirmen, betroffene Produkte aus dem Einzelhandel zu nehmen. Das Werk in Arlon dürfe erst wieder öffnen, wenn alle Regeln und Anforderungen der Lebensmittelsicherheit erfüllt seien.

Am Freitagnachmittag meldete sich Ferrero nochmals zu Wort und gab Fehler im Umgang mit den Rückrufen einiger Produkte zu. Über die Gründe für die monatelange Lücke zwischen Bekanntwerden des Salmonellen-Falls in Arlon und den Rückrufen im April bleibt das italienische Unternehmen im Ungefähren: "interne Ineffizienzen" sorgten demnach dafür, "dass es Verzögerungen bei den Rückrufen und beim Informationsaustausch gab". Deshalb seien die Untersuchungen zu dem Fall nicht so schnell und effizient wie nötig durchgeführt worden, hieß es in der Mitteilung.

Heftige Kritik von Foodwatch

Seit Wochenbeginn hatte das Unternehmen in etlichen Ländern Produkte seiner Kinder-Süßwarenserie zurückgerufen, nachdem mehrere Salmonellen-Erkrankungen bekannt geworden waren, die in Verbindung mit den Produkten aus der Fabrik in Arlon gebracht wurden. Betroffen von den Rückrufen der vergangenen Tage war auch der deutsche Markt. Das Unternehmen hatte zunächst betont, dass es sich bei den Rückrufen um reine Vorsichtsmaßnahmen handle.

Am Donnerstag teilte Ferrero mit, dass es durch die Zusammenarbeit mit Lebensmittel- und Gesundheitsbehörden in Europa neue Daten erhalten habe, die eine Übereinstimmung zwischen den in Europa gemeldeten Salmonellenfällen und dem eigenen Werk in Arlon zeigten.

Heftige Kritik an dem Unternehmen übte indes die Verbraucherorganisation Foodwatch. "Wenn so ein Fehler passiert, muss die Bevölkerung sofort gewarnt werden", sagte Andreas Winkler von Foodwatch. Seiner Ansicht nach sind Eigenverantwortung und Eigenkontrollen der Hersteller nicht ausreichend, notwendig seien "Transparenzpflichten für Behörden, damit Fälle wie Ferrero umgehend öffentlich gemacht werden müssen".

Bereits zuvor hatten die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC Untersuchungen aufgenommen. Die beiden Behörden hatten am Mittwoch von 105 bestätigten Salmonellenfällen und 29 Verdachtsfällen gesprochen, die meisten davon bei Kindern im Alter von unter zehn Jahren. Bestimmte Schokoladenprodukte seien als wahrscheinlicher Infektionsweg identifiziert worden.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale äußert sich eine Salmonellen-Erkrankung innerhalb weniger Tage nach der Infektion mit Durchfall und Bauchschmerzen. Manchmal könne es auch zu Erbrechen und leichtem Fieber kommen. Bei gesunden Menschen klingen die Beschwerden demnach in der Regel nach einigen Tagen wieder ab. In bestimmten Fällen könne es jedoch zu schweren Krankheitsverläufen kommen, insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern, alten Menschen und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem.

© dpa-infocom, dpa:220409-99-855492/4

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Folge des Ukraine-Kriegs: Lebensmittel weltweit so teuer wie nie | tagesschau.de - tagesschau.de

Stand: 08.04.2022 19:10 Uhr

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit werden Lebensmittel immer teurer. Laut der UN-Ernährungsorganisation FAO haben sie sogar inzwischen ein Rekordniveau erreicht. Stark betroffen sind Nord- und Westafrika - mit gravierenden Folgen.

Die Gefahr von "Brotunruhen" im Nahen und Mittleren Osten wächst von Tag zu Tag. In Ägypten können sich viele Menschen ein Fladenbrot gar nicht mehr leisten. Der Preis ist binnen drei Wochen nach dem Ukraine-Krieg um gut die Hälfte gestiegen. Nun zieht Kairo die Notbremse und deckelt den Preis für Brot auf ein ägyptisches Pfund (knapp fünf Cent). Die meisten Ägypter haben selbst dafür nicht genug Geld. Zwei Drittel der Bevölkerung erhält subventioniertes Brot.

Ägypten subventioniert Brotpreise

Ägypten ist stark von Weizenimporten abhängig. Über die Hälfte des Bedarfs wird aus dem Ausland gedeckt, das meiste davon kommt aus Russland und der Ukraine. Die Regierung in Kairo befürchtet, dass Brot knapp und teuer werden könnte, und hat vorsorglich den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe gebeten. Die Angst vor Protesten in der Bevölkerung sitzt tief. Bei den größten Brotunruhen in Ägypten gab es 1977 viele Tote. Und der arabische Frühling in Ägypten sowie den Ländern des Maghreb wurde teils auch durch hohe Brot- und Lebensmitttelpreise ausgelöst.

Besonders schlimm ist die Lage im Libanon. Dort gab es zuletzt in vielen Supermärkten schon kein Mehl mehr. Die Weizenvorräte reichen angeblich nur noch für ein paar Wochen. In dem Land, das 60 Prozent seiner Weizenimporte aus Russland und der Ukraine bezieht, wurden 2020 die wichtigsten Getreidespeicher durch eine Explosion im Hafen von Beirut zerstört.

Proteste im Irak und Sudan

Auch anderswo spitzt sich die Nahrungsmittel-Krise zu. Tunesien hat Mehl für Bäckereien schon rationiert. Und im Irak, im Sudan sowie in der Türkei sind viele Menschen wegen knapp gewordener Lebensmittel auf die Straße gegangen und haben lautstark protestiert.

Selbst in Sri-Lanka in Südostasien ist die Nahrungsmittel-Krise zu spüren. Vielerorts gibt es keine Milch und kein Mehl mehr. Die Lebensmittel werden rationiert, die Menschen verharren stundenlang in der Warteschlange bei über 30 Grad. Das autokratisch geführte Insel hat zeitweise den Notstand verhängt und den IWF um Hilfe erbeten.

FAO befürchtet Nahrungsmittelkrise in Westfafrika

Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO warnt wegen des Ukraine-Kriegs vor Nahrungsmittelkrisen bis hin zu Hungersnöten besonders im Nahen und Mittleren Osten sowie in Teilen Afrikas. In der Sahelzone und Westafrika sei die Versorgung von rund 40 Millionen Menschen mit Lebensmitteln nicht gesichert, erklärte ein Sprecher des UN-Welternährungsprogramms (WFP).

Nach Angaben von mehreren internationalen Hilfsorganisationen, darunter Oxfam und World Vision, litten in Westafrika bereits 27 Millionen Menschen an Hunger. Bis zum Juni könnten elf Millionen hinzukommen. Alleine Eritrea ist bisher komplett auf Weizenimporte aus Russland und der Ukraine angewiesen.

20 Prozent höhere Lebensmittelpreise in diesem Jahr?

Laut FAO haben sich in Westafrika die Lebensmittelpreise in den vergangenen Jahren um bis zu 30 Prozent erhöht. Dürren, Überschwemmungen, militärische Konflikte und die Corona-Pandemie haben die Engpässe bei Getreide verschärft. In diesem Jahr nun könnten die Lebensmittelpreis dramatisch um 20 Prozent weiter ansteigen, befürchtet die FAO.

Schon jetzt befinden sich die weltweiten Lebensmittelpreise auf Rekordhoch. Der von der FAO 1990 eingeführte Index kletterte im März auf ein Höchstniveau. Im Vergleich zum Februar registrierte die UN-Organisation einen beachtlichen Zuwachs von 12,6 Prozent. Der Index berechnet die monatlichen Veränderungen der Durchschnittspreise für die Grundnahrungsmittel Getreide, Fleisch, Milchprodukte, Speiseöl und Zucker.

Preise für Pflanzenöl am meisten gestiegen

Am meisten hat sich das Pflanzenöl verteuert. Es kostete im März über 23 Prozent mehr als im Februar, vor allem aufgrund des höheren Sonnenblumenöl-Preises. Aber auch die Preise für Palm-, Soja- und Rapsöl stiegen an - zusätzlich angeheizt durch die höheren Erdölpreise.

Der Getreidepreis stieg wegen des Ukraine-Krieges im März laut dem FAO-Index um rund 17 Prozent im Vergleich zum Februar. Noch größer war die Verteuerung bei Mais. Die beiden Getreidesorten kosteten über 19 Prozent mehr als im Vormonat. Russland und die Ukraine zusammen lieferten in den vergangenen drei Jahren 30 Prozent des globalen Weizenexports und 20 Prozent der weltweiten Mais-Ausfuhren.

Einstellige Preiszuwächse bei Zucker, Fleisch und Milch

Nicht ganz so extrem verteuerten sich Zucker, Fleisch und Milch. Die Zucker-Preise erhöhten sich seit Februar um 6,7 Prozent. Der Fleischpreis stieg wegen eines Mangels an Schlachtschweinen in Westeuropa um 4,8 Prozent auf den höchsten Stand jemals. Milchprodukte kosteten 2,6 Prozent mehr als im Februar.

Immerhin: Reis, das wichtigste Grundnahrungsmittel neben Weizen, ist in diesem Jahr bislang kaum teurer geworden. Das sorgt zumindest für eine gewisse Entspannung der Nahrungsmittel-Lage in Asien.

Gute Weizen-Ernten in Argentinien und Australien machen Hoffnung, dass kurzfristig die wegfallenden Mengen aus Russland und der Ukraine ersetzt werden könnten. Laut Experten-Schätzungen werden aufgrund des Ukraine-Kriegs drei Millionen weniger Weizen aus Russland und vier Millionen Tonnen weniger Weizen aus der Ukraine exportiert. Insgesamt liefern Russland und die Ukraine mehr als ein Drittel des weltweiten Getreides. Russland ist der größte Exporteur von Weizen.

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Folge des Ukraine-Kriegs: Lebensmittel weltweit so teuer wie nie | tagesschau.de - tagesschau.de

Stand: 08.04.2022 19:10 Uhr

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit werden Lebensmittel immer teurer. Laut der UN-Ernährungsorganisation FAO haben sie sogar inzwischen ein Rekordniveau erreicht. Stark betroffen sind Nord- und Westafrika - mit gravierenden Folgen.

Die Gefahr von "Brotunruhen" im Nahen und Mittleren Osten wächst von Tag zu Tag. In Ägypten können sich viele Menschen ein Fladenbrot gar nicht mehr leisten. Der Preis ist binnen drei Wochen nach dem Ukraine-Krieg um gut die Hälfte gestiegen. Nun zieht Kairo die Notbremse und deckelt den Preis für Brot auf ein ägyptisches Pfund (knapp fünf Cent). Die meisten Ägypter haben selbst dafür nicht genug Geld. Zwei Drittel der Bevölkerung erhält subventioniertes Brot.

Ägypten subventioniert Brotpreise

Ägypten ist stark von Weizenimporten abhängig. Über die Hälfte des Bedarfs wird aus dem Ausland gedeckt, das meiste davon kommt aus Russland und der Ukraine. Die Regierung in Kairo befürchtet, dass Brot knapp und teuer werden könnte, und hat vorsorglich den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe gebeten. Die Angst vor Protesten in der Bevölkerung sitzt tief. Bei den größten Brotunruhen in Ägypten gab es 1977 viele Tote. Und der arabische Frühling in Ägypten sowie den Ländern des Maghreb wurde teils auch durch hohe Brot- und Lebensmitttelpreise ausgelöst.

Besonders schlimm ist die Lage im Libanon. Dort gab es zuletzt in vielen Supermärkten schon kein Mehl mehr. Die Weizenvorräte reichen angeblich nur noch für ein paar Wochen. In dem Land, das 60 Prozent seiner Weizenimporte aus Russland und der Ukraine bezieht, wurden 2020 die wichtigsten Getreidespeicher durch eine Explosion im Hafen von Beirut zerstört.

Proteste im Irak und Sudan

Auch anderswo spitzt sich die Nahrungsmittel-Krise zu. Tunesien hat Mehl für Bäckereien schon rationiert. Und im Irak, im Sudan sowie in der Türkei sind viele Menschen wegen knapp gewordener Lebensmittel auf die Straße gegangen und haben lautstark protestiert.

Selbst in Sri-Lanka in Südostasien ist die Nahrungsmittel-Krise zu spüren. Vielerorts gibt es keine Milch und kein Mehl mehr. Die Lebensmittel werden rationiert, die Menschen verharren stundenlang in der Warteschlange bei über 30 Grad. Das autokratisch geführte Insel hat zeitweise den Notstand verhängt und den IWF um Hilfe erbeten.

FAO befürchtet Nahrungsmittelkrise in Westfafrika

Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO warnt wegen des Ukraine-Kriegs vor Nahrungsmittelkrisen bis hin zu Hungersnöten besonders im Nahen und Mittleren Osten sowie in Teilen Afrikas. In der Sahelzone und Westafrika sei die Versorgung von rund 40 Millionen Menschen mit Lebensmitteln nicht gesichert, erklärte ein Sprecher des UN-Welternährungsprogramms (WFP).

Nach Angaben von mehreren internationalen Hilfsorganisationen, darunter Oxfam und World Vision, litten in Westafrika bereits 27 Millionen Menschen an Hunger. Bis zum Juni könnten elf Millionen hinzukommen. Alleine Eritrea ist bisher komplett auf Weizenimporte aus Russland und der Ukraine angewiesen.

20 Prozent höhere Lebensmittelpreise in diesem Jahr?

Laut FAO haben sich in Westafrika die Lebensmittelpreise in den vergangenen Jahren um bis zu 30 Prozent erhöht. Dürren, Überschwemmungen, militärische Konflikte und die Corona-Pandemie haben die Engpässe bei Getreide verschärft. In diesem Jahr nun könnten die Lebensmittelpreis dramatisch um 20 Prozent weiter ansteigen, befürchtet die FAO.

Schon jetzt befinden sich die weltweiten Lebensmittelpreise auf Rekordhoch. Der von der FAO 1990 eingeführte Index kletterte im März auf ein Höchstniveau. Im Vergleich zum Februar registrierte die UN-Organisation einen beachtlichen Zuwachs von 12,6 Prozent. Der Index berechnet die monatlichen Veränderungen der Durchschnittspreise für die Grundnahrungsmittel Getreide, Fleisch, Milchprodukte, Speiseöl und Zucker.

Preise für Pflanzenöl am meisten gestiegen

Am meisten hat sich das Pflanzenöl verteuert. Es kostete im März über 23 Prozent mehr als im Februar, vor allem aufgrund des höheren Sonnenblumenöl-Preises. Aber auch die Preise für Palm-, Soja- und Rapsöl stiegen an - zusätzlich angeheizt durch die höheren Erdölpreise.

Der Getreidepreis stieg wegen des Ukraine-Krieges im März laut dem FAO-Index um rund 17 Prozent im Vergleich zum Februar. Noch größer war die Verteuerung bei Mais. Die beiden Getreidesorten kosteten über 19 Prozent mehr als im Vormonat. Russland und die Ukraine zusammen lieferten in den vergangenen drei Jahren 30 Prozent des globalen Weizenexports und 20 Prozent der weltweiten Mais-Ausfuhren.

Einstellige Preiszuwächse bei Zucker, Fleisch und Milch

Nicht ganz so extrem verteuerten sich Zucker, Fleisch und Milch. Die Zucker-Preise erhöhten sich seit Februar um 6,7 Prozent. Der Fleischpreis stieg wegen eines Mangels an Schlachtschweinen in Westeuropa um 4,8 Prozent auf den höchsten Stand jemals. Milchprodukte kosteten 2,6 Prozent mehr als im Februar.

Immerhin: Reis, das wichtigste Grundnahrungsmittel neben Weizen, ist in diesem Jahr bislang kaum teurer geworden. Das sorgt zumindest für eine gewisse Entspannung der Nahrungsmittel-Lage in Asien.

Gute Weizen-Ernten in Argentinien und Australien machen Hoffnung, dass kurzfristig die wegfallenden Mengen aus Russland und der Ukraine ersetzt werden könnten. Laut Experten-Schätzungen werden aufgrund des Ukraine-Kriegs drei Millionen weniger Weizen aus Russland und vier Millionen Tonnen weniger Weizen aus der Ukraine exportiert. Insgesamt liefern Russland und die Ukraine mehr als ein Drittel des weltweiten Getreides. Russland ist der größte Exporteur von Weizen.

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Inflation: Auf Lebensmittel lässt sich nicht verzichten - zeit.de

Nahrungsmittel werden immer teurer. Das trifft die verletzlichsten Menschen unserer Gesellschaft besonders, die Politik tut bisher nichts dagegen. Das sollte sich ändern.

Aldi und andere Handelsketten haben in den letzten Wochen und Monaten massiv die Lebensmittelpreise erhöht. Die verletzlichsten Menschen unserer Gesellschaft, die mit geringen Einkommen, sind besonders davon betroffen. Die Entwicklung verschärft die soziale Polarisierung in unserem Land.

Die Politik tut alles Denkbare, und auch einiges noch vor wenigen Wochen Undenkbares, um die Spritpreise an der Tankstelle möglichst nicht steigen zu lassen. Obwohl vieles dafür spricht, dass der Trend der steigenden Preise weit in die Zukunft anhalten dürfte, tut die Politik jedoch bisher nichts gegen die immer teureren Nahrungsmittel. Dies sollte sich schleunigst ändern, zumal die Lösungen auf der Hand liegen.

Bereits vor dem russischen Angriff auf die Ukraine waren die Lebensmittelpreise stark angestiegen, zum Teil um fünf Prozent oder mehr. Mit dem Krieg hat sich vieles nochmals verteuert. Vor allem Tierprodukte wie Fleisch, Wurst oder Butter sind deutlich teurer geworden. Es ist schwierig zu sagen, inwiefern diese Preissteigerungen wirklich durch höhere Kosten bei den Produzenten zu rechtfertigen sind. Ähnlich wie bei den Spritpreisen ist nicht in Gänze nachzuvollziehen, wieso die Preissteigerungen gerade jetzt nach dem Ausbruch des Kriegs so massiv sind. Es mag sein, dass manche Anbieter die allgemeine Inflation nutzen, um eh geplante Preiserhöhungen vorzuziehen. Andere Anbieter mögen bereits jetzt mit Hinblick auf mögliche Knappheiten bei Futtermittel oder steigenden Energiepreisen vorsorglich die Preise erhöhen.

Menschen mit geringen Einkommen geben im Vergleich zu Besserverdienenden anteilig das Drei-, Vierfache oder sogar mehr ihres monatlichen Einkommens für Nahrungsmittel aus. Auch wenn es offensichtlich ist, kann man es nicht oft genug betonen: Menschen können in ihrem täglichen Leben auf viele Dinge verzichten, auch zum Teil auf das Auto und manchen Energieverbrauch. Aber sie können nicht auf die Grundversorgung durch Lebensmittel verzichten. Zwar versuchen viele Menschen – und vor allem Bezieher von Hartz IV oder Grundsicherung – zu sparen, indem sie die (noch) billigeren Produkte kaufen. Einen großen Unterschied in der Geldbörse macht das meist nicht. Immer mehr Menschen nutzen daher die Angebote der Tafeln in Deutschland, die fantastische Arbeit leisten, um Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen.

Kindern und Jugendlichen werden wichtige Zukunftschancen genommen

Gerade die stärkere Nutzung der Tafeln sollte ein Weckruf für Gesellschaft und Politik in Deutschland sein. Denn der wirtschaftliche Boom und der steigende Wohlstand der Zehnerjahre ist nicht bei allen Menschen hierzulande angekommen. Ganz im Gegenteil: Das Armutsrisiko, das jede und jeden betrifft, die oder der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient, ist in den vergangenen 15 Jahren auf 17 Prozent gestiegen. Mit anderen Worten: Jede und jeder Sechste in Deutschland ist von relativer Armut betroffen.

Es sind vor allem Kinder und Jugendliche von alleinerziehenden Müttern, aber auch viele Alleinstehende. Dies heißt natürlich nicht, dass diese Menschen nicht genug zu essen haben. Aber ein Anstieg der Nahrungsmittelpreise bedeutet, dass sie immer weniger für andere Dinge ausgeben können und somit immer weniger soziale Teilhabe erhalten. Sie werden somit immer stärker marginalisiert in unserer Gesellschaft und gerade Kindern und Jugendlichen werden dadurch wichtige Zukunftschancen genommen.

Es ist zu befürchten, dass wir auch in den kommenden Jahren einen Trend mit deutlich steigenden Nahrungsmittelpreisen erfahren werden. Denn eine Umstellung der Lieferketten und steigende Energiepreise dürften viele Vorleistungen für die Landwirtschaft wie Futter- oder Düngemittel verteuern. Auch müssen die Qualitätsstandards von Lebensmitteln mit Blick auf das Tierwohl, den Natur- und Verbraucherschutz deutlich steigen. Und auch müssen Landwirtschaft und Ernährung eine deutliche Transformation erfahren, um das Klima zu schützen. Gerade die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen ihre Ernährung umstellen und vor allem weniger Fleischprodukte konsumieren. Somit könnte der langanhaltende Trend der letzten Jahrzehnte hin zu immer günstigeren Lebensmitteln ein Ende haben und sich umkehren.

Wie die steigenden Preise abgefedert werden können

Dabei dürfen wir nicht ignorieren, dass die steigenden Lebensmittelpreise Menschen in den ärmsten der armen Länder der Welt noch viel härter treffen. Ägypten oder Jemen müssen fast ihren gesamten Weizen für das Grundnahrungsmittel Brot importieren. Die steigenden Preise dürften Millionen von Menschen weltweit in diesem Jahr wieder in absolute Armut treiben – schon während der Pandemie ist dies das Schicksal von mehr als 100 Millionen Menschen weltweit gewesen. Auch wir in Deutschland stehen in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich dies durch den Krieg und steigende Nahrungsmittelpreise nun nicht noch einmal wiederholt und eine Hungersnot vermieden werden kann.

Aber die Politik sollte auch in Deutschland dringend etwas tun, um die sozialen Härten der steigenden Lebensmittelpreise abzufedern. Das großzügige Hilfspaket von 16 Milliarden Euro der Bundesregierung im März hat fast ausschließlich auf die hohen Energiepreise abgezielt. Doch das allein reicht nicht aus. Eine erste Maßnahme wäre die sofortige Erhöhung des Satzes für Hartz IV und die Grundsicherung. Dabei könnte die Politik sich an der geplanten Erhöhung des Mindestlohns orientieren und diesen Satz um 20 Prozent – oder knapp 120 Euro im Monat – anheben. Dies würde eine ohnehin notwendige Erhöhung nun umsetzen und zudem den betroffenen Menschen etwas Puffer gegen weiter steigende Preise geben.

Mehrwertsteuersenkung käme bei den Verbrauchern an

Eine zweite mögliche Maßnahme wäre die temporäre Abschaffung der reduzierten Mehrwertsteuer von sieben auf null Prozent. Damit würden auch Nahrungsmittel günstiger werden – den deutschen Staat würde es pro Jahr mehr als zehn Milliarden Euro kosten. Die Erfahrung aus dem Jahr 2020 zeigt, dass knapp zwei Drittel solcher Steuersenkungen an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben werden. Es wäre also ein sehr effektives Instrument, das zudem sehr schnell umgesetzt werden könnte. Und nicht nur Bezieher von Hartz IV und Grundsicherung würden davon profitieren, sondern viele andere Menschen mit geringen Einkommen, die auch unter dem Anstieg der Preise leiden.

Als drittes brauchen wir eine größere Wertschätzung für die vielen ehrenamtlichen Organisationen, allen voran den Tafeln, die eine enorm wichtige Rolle bei der Grundversorgung vieler Menschen in Deutschland spielen. Wir als Gesellschaft sollten nicht nur Forderungen an die Politik stellen, sondern uns selbst stärker engagieren. Gerade die Tafeln würden von einer stärkeren Unterstützung aus der Gesellschaft, von Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern, profitieren, um den Menschen besser helfen zu können, die am härtesten von den höheren Lebensmittelpreisen betroffen sind.

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Alkohol, Zucker und Co.: Diese Lebensmittel schaden unserem Gehirn - RTL Online

08. April 2022 - 12:17 Uhr

von Nora Rieder

Dass Schokolade, Cola und Pommes nicht wirklich gesund sind, wissen wir alle. Doch manche Lebensmittel und Ernährungsgewohnheiten begünstigen nicht nur Übergewicht, sondern beeinträchtigen auch die Denkleistung.

Einseitige Ernährung mit stark verarbeiteten Lebensmitteln macht dumm

Frisch kochen, täglich zu reichlich Gemüse und Obst greifen und möglichst wenig Süßes und frittierte Speisen essen. Auch wenn die meisten wissen, wie sie sich optimaler Weise ernähren sollten: Im Alltag ist es oft schwer, das Wissen in die Praxis umzusetzen. Aus Zeitmangel holen wir uns dann morgens oder mittags doch schnell ein belegtes Brötchen oder Croissant beim Bäcker oder greifen beim Nachmittagstief zum Schokoriegel statt zum Apfel oder Nüssen.

Solange wir uns insgesamt ausgewogen ernähren, sind auch hin und wieder Fast Food, Kuchen und Gummibärchen kein Problem. In Studien konnte jedoch nachgewiesen werden, dass eine sehr einseitige Ernährung mit vielen verarbeiteten Lebensmittel das Gehirn schädigen und somit die Denkleistung verringern können.

Lese-Tipp: Einfache Alltagstipps: So starten Sie mit einer gesünderen Ernährung

Transfettsäuren können Demenz begünstigen

Pommes, industriell gefertigte Kekse und Kuchen, aber auch Chips und Flips schmecken zwar lecker, enthalten jedoch reichlich Transfettsäuren. Sie entstehen, wenn Öl stark erhitzt wird, wie es beispielsweise beim Frittieren der Fall ist. Aber auch bei der industriellen Fetthärtung zur Margarineherstellung entstehen Transfette. Diese sind deshalb so schädlich, weil sie den Anteil des "schlechten" Cholesterins (LDL) im Blut ansteigen lassen, wodurch sich das Risiko für Arteriosklerose (Gefäßverengung), Schlaganfall und Herzinfarkt erhöht. Aber nicht nur das: Transfette können auch das Gehirn schädigen.

In verschiedenen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die tägliche Aufnahme von Transfetten Demenz im Alter begünstigen kann. Aber nicht nur das: Auch bei jüngeren Menschen kann ein regelmäßiger Verzehr die Gedächtnis- und Merkfähigkeit des Gehirns beeinträchtigen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher, nicht mehr als 2,6 Gramm Transfettsäuren pro Tag aufzunehmen. Doch bereits eine kleine Portion Pommes enthält etwa ein Gramm Transfette. Das erklärt, warum und wie schnell die empfohlene Höchstmenge überschritten ist. Greifen sie also statt zu Pommes häufiger mal zu Kartoffeln oder bereiten Sie die Pommes aus frischen Kartoffeln oder Süßkartoffeln im Backofen selbst zu. Verwenden Sie zum Braten Zum Braten und Kochen empfehlen Experten die Verwendung raffinierte, hitzestabile Pflanzenöle und Fette wie Butterschmalz, Kokosfett und natives Olivenöl extra vergine, um der Entstehung von Transfettsäuren beim Kochen vorzubeugen.

Wenn Sie wissen möchten, ob ein Lebensmittel Transfettsäuren enthält, sollten Sie einen Blick auf die Zutatenliste werfen. Dort verbergen sich Transfette hinter Bezeichnungen wie "pflanzliches Fett, zum Teil gehärtet", "hydrogenisiertes Pflanzenfett" oder "ungesättigte Fettsäuren, enthält gehärtete Fette".

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Zu viel Zucker fördert chronische Entzündungen

Kohlenhydrate liefern schnell verfügbare Energie. Dabei sollten Sie jedoch Zucker- und Weißmehlprodukte meiden. Diese lassen den Blutzucker stark ansteigen und begünstigen Heißhungerattacken, Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Aber nicht nur das: Eine bereits im Jahr 2013 im Journal of Alzheimer's Disease veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen, die mehr als 58 Prozent ihrer Kohlenhydrate aus Weißmehl und Zucker beziehen, ein doppelt so hohes Risiko für Demenz haben wie jene, die überwiegend auf komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten setzen. Auch ein erhöhtes Risiko für leichte psychische Störungen und Depression bei einem hohen Zuckerkonsum konnte nachgewiesen werden.

Die Erklärung: Ein hoher Zuckerkonsum fördert chronische Entzündungen im Körper – und zwar auch im Gedächtniszentrum Hippocampus und der Amygdala (Angstzentrum).

Setzen Sie daher so oft es geht auf Vollkornprodukte (Vollkornbrot, -nudeln, -reis), frisches Gemüse, Kartoffeln und Hülsenfrüchte. Diese enthalten reichlich langkettige, komplexe Kohlenhydrate und sorgen dafür, dass unser Gehirn gleichbleibend mit Energie versorgt wird. Zudem liefern sie reichlich Ballaststoffe. Diese machen nicht nur langanhaltend satt, senken den Cholesterinspiegel und regen die Verdauung an. Sie werden außerdem durch die Darmbakterien verstoffwechselt, wobei unter anderem die kurzkettige Fettsäure Butyrat entsteht. In Studien mit Mäusen konnte nachgewiesen werden, dass Butyrat die Gedächtnisleistung verbessert.

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Diesen Fisch sollten Sie nur in Maßen genießen

Vor allem fettreicher Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele gilt aufgrund des hohen Gehaltes an Omega-3-Fettsäuren als besonders gesund. Obwohl auch Thunfisch zu den gesunden Fischsorten zählt, sollte er nicht allzu häufig auf ihrem Teller landen. Denn Thunfisch zählt zu den langlebigen Raubfischen. Im Laufe ihres bis zu 15-jährigen Lebens können Thunfische reichlich Quecksilber aufnehmen, dass durch den Mensch in die Meere gelangt. Da sie selbst ebenfalls Fische fressen, erhöht sich der Quecksilbergehalt im Körper der Raubfische zusätzlich.

Zu viel Queck­silber kann das Nerven­system schädigen. Das Schwermetall kann nämlich die Blut-Hirn-Schranke passieren und sich im Hirngewebe ablagern. Von dort aus kann es das zentrale Nervensystem angreifen und die Hirnsubstanz schädigen.

Quecksilber kann bei Schwangeren auch in die Plazenta gelangen und die Gehirnentwicklung des Ungeborenen beeinträchtigen. Das Bundes­institut für Risiko­bewertung empfiehlt Schwangeren und Stillenden daher, "vorsorglich den Verzehr von Thun­fisch einzuschränken".

In der EU dürfen große Raub­fische wie der Thun­fisch nicht mehr als ein Milligramm Quecksilber je Kilogramm aufweisen.

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Alkohol nur in Maßen trinken

Gegen hin und wieder mal ein Gläschen Wein oder ein oder zwei Bier ist nichts einzuwenden. In geringen Mengen wirkt Alkohol entspannend, stimulierend und angstlösend. Alkohol gelangt über den Dünndarm relativ schnell ins Blut und über den Blutkreislauf schnell ins Gehirn. Dort beeiflusst der Alkohol verschiedene Botenstoffe, die Informationen zwischen Nervenzellen übermitteln. Somit bremst Alkohol die Informationsübertragung aus, sodass sich die Wahrnehmung und auch das Reaktionsvermögen stark verlangsamen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist mit Nachdruck darauf hin, dass Männer nicht mehr als 20 Gramm Alkohol und Frauen nicht mehr als zehn Gramm Alkohol pro Tag aufnehmen sollten.

Ein höherer und regelmäßiger Konsum von Alkohol kann Nervenschädigungen (Polyneuropathie) verursachen und das Kleinhirn schädigen. Außerdem führt er zu einer Verschlechterung der Gehirnfunktion.

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Die Dosis macht das Gift

Fazit: Jede einseitige Ernährung ist ungesund. Wenn Sie sich jedoch grundsätzlich ausgewogen mit vielen frischen, unverarbeiteten Nahrungsmitteln ernähren und auf ausreichend Bewegung achten, sind auch die Portion Pommes, der Schokoriegel oder ab und an mal ein Feierabendbier kein Problem. Wie bei allem gilt: Die Dosis macht das Gift.

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Alkohol, Zucker und Co.: Diese Lebensmittel schaden unserem Gehirn - RTL Online
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Freiwillige testen neu entwickelte Lebensmittel - Nordkurier

Lebensmittel probieren, bevor sie in die Supermarkt-Regale wandern? Mehrere Freiwillige ließen sich diese Chance nicht entgehen. Sie unterstützen das Zentrum für Ernährung und Lebensmitteltechnologie (ZELT) in Neubrandenburg bei der Entwicklung und Verbesserung von verschiedenen Produkten. Dabei warten auf die Testpersonen Bier, Weinmischgetränke und zuckerfreie Lollys, die in verbesserter oder gar neu entwickelter Form auf den Markt gebracht werden sollen.

Das ZELT kooperiert in Forschungs- und Entwicklungsprojekten mit klein- und mittelständischen Unternehmen. Aktuell arbeitet das gemeinnützige Unternehmen mit vielen Partnern im Projekt „Physics for food” (Dt: Physik für Nahrung) an physikalischen Verfahrens-Innovationen für die Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Um bestimmte Produkte zu entwickeln und zu verbessern, erfolgt eine sensorische Prüfung, die sich zur Analyse der menschlichen Sinne bedient. Dafür braucht es ein dauerhaftes Sensorik-Panel, also eine Gruppe geschulter Prüfpersonen. Ein Teil davon wollten in dieser Woche gleich mehrere Neubrandenburger sein. Es bewarben sich etwa 80 Personen, wie Sabrina Scharf, Studienleiterin der Sensorik-Analyse, sagte.

Zuerst wird der Geschmackssinn getestet

Für die Teilnehmer war es die erste sensorische Analyse, weshalb sie zuerst darauf getestet wurden, ob sie die Grundgeschmacksarten süß, bitter, sauer, salzig im Vergleich zu Wasser erkennen können, was allen gelang. „Das, was sie hier kosten, werden Sie im besten Falle in den nächsten Jahren auf dem Markt bekommen“, bereitete Matthias Koch die Neulinge auf die Verkostung vor. Er ist ebenfalls Studienleiter. Um verschiedene Biere und Limonaden zu kosten, ging es für die Testpersonen in das Sensorik-Labor, in dem durchgängig die gleiche Temperatur und Luftfeuchtigkeit herrscht, damit die Vergleichsproben so neutral wie möglich erfolgen können, erklärte Doktorand Matthias Koch.

Annalena Roese, Studentin an der Hochschule Neubrandenburg, und Grit Theuerkauf haben sich als Panelisten beworben und probieren die verschiedenen Biere. „Es ist interessant, dabei mitzuwirken, bestimmte Geschmäcker und Produkte zu testen, die irgendwann mal auf dem Markt erscheinen“, sagte Grit Theuerkauf, die bereits vor 20 Jahren einen Joghurt im ZELT getestet hat, wie sie sagt. „Irgendwann steht man vor einem Supermarkt-Regal und entdeckt ein Produkt, von dem man sagen kann, dass man das damals gekostet hat, als es noch in der Entwicklung war“, freute sie sich.

Nach jeder gekosteten Probe müsse jeder Teilnehmer seinen Geschmack mit Wasser neutralisieren, damit jedes Produkt nur mit dessen eigenem Geschmack von den Testpersonen wahrgenommen werde, wie Matthias Koch sagte.

Monatlich Schulungen für weitere Einsätze

Auch eine einfach beschreibende Probe sei wichtig für die Produktentwicklung, weshalb die Lebensmitteltester das vorliegende Produkt in einem Protokoll nach Aussehen, Geruch und Geschmack sowie Textur beurteilen müssen. Mit einer anschließenden Beliebtheitsprobe wollen die Hersteller und Entwickler laut Matthias Koch herausfinden, ob die Produkte auf dem Markt auch gekauft werden würden. Doch welches Bier sie genau testen, wissen die Teilnehmer vor der Probe nicht. „Manche kennen das Produkt vielleicht, wenn wir ihnen die Marke verraten. Dann kann es sein, dass sie es voreingenommen bewerten“, sagte Sabrina Scharf. In Zukunft treffen sich die neuen Panelisten laut Koch regelmäßig, um sie nach und nach zu schulen, sodass sie weiterhin Unterstützung bei der Produktentwicklung leisten.

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